Klickkicker

Konzept

Die Situation
Rund um den Mariannenplatz in Kreuzberg befinden sich mindestens sechs neu gestaltete Fußball-Bolzplätze für Kinder und Jugendliche. Diese sind so begehrt, dass nach der Schule und am Wochenende kaum einer ungenutzt ist. Diejenigen Plätze, die zu Schulen gehören, werden darüber hinaus auch in den Pausen bespielt. Meistens sind es dieselben Kinder, die immer wieder auf „ihren“ Platz zurückkommen, um gegen ihre Freunde zu spielen. Durch eine Mannschaftswahl vor dem Spiel variieren die Mannschaftskonstellationen; feste Teams sind eher selten. Ein Kontakt zu anderen Fußballkindern bzw. -mannschaften findet

Die Problematik
Nach den aktuellen Integrationsdebatten erscheint es überaus relevant, einen nachhaltigen Austausch vor allem mit „chancenschwachen“ Kindern und Jugendlichen aus Familien mit Migrationshintergrund zu gestalten, um der Gefahr einer Abschottung in Subkulturen entgegenzuwirken.
Weiterhin scheint für viele der organisierte Vereinssport mit den geforderten monatlichen Beitragssätzen nicht attraktiv und/oder nicht erschwinglich. Sie werden von der recht starren Struktur und vielleicht auch vom antiquierten Image der Vereine abgeschreckt und streben stattdessen nach mehr Eigenverantwortlichkeit in ihrer Freizeitgestaltung. Dadurch fehlt ihnen das (sportliche) Messen mit anderen Kickern. Die eigenen Stärken können so schwerer gefunden und zum Ausdruck gebracht werden. Die Möglichkeiten, über den Fußball sportliche und soziale Positionen finden zu können, nehmen dadurch ab. Das ständige Spielen mit überwiegend denselben Teilnehmern verliert dazu schneller den Reiz, was sich letztlich im Suchen nach neuen Freizeitmöglichkeiten äußern könnte.

Die Idee
Um diesen Problemen entgegenzuwirken und die Motivation bei den Kindern und Jugend-lichen für das Fußballspielen zu steigern, will das von Mixtur 36 e.V. ins Leben gerufene Projekt //Klickkicker in enger Zusammenarbeit mit dem kommunalen Jugend- und Nachbarschafts-Treffpunkt Naunynritze über eine „sanfte“ Organisationsform einen neuen Wettbewerbscharakter in die unabhängige Form des Straßenfußballs bringen. Das Projekt zielt somit darauf ab, als Koordinationszentrale eine neue Begegnungsplattform für alle fußballbegeisterten Kinder im Kiez bereitzustellen. Gerade der Sport kann durch sein Prinzip der universalen Gültigkeit und Chancengleichheit, eine besondere Vermittlerinstanz zwischen unterschiedlichen Nationen, Kulturen und gesellschaftlichen Milieus einnehmen. Als Teil des öffentlichen Raumes und der Straße, die als beliebte Aktionsfelder jugendkultu-reller Präsentation gilt, soll diese Begegnungsplattform Kommunikation und soziales Lernen fördern und zu einem toleranteren Umgang untereinander verhelfen.
Mit künstlerischen Aktionen und Wettbewerben sollen die Kinder und Jugendlichen an Kunst und Kultur herangeführt werden. Die visuelle Kommunikation gibt ihnen eine weitere Möglichkeit, ihre Individualität zu äußern und ihre Persönlichkeit zu finden. Durch diese Bühne, die im Austausch zu anderen Projekten im Kiez stehen sollte, könnten individuelle Talente gefördert und Interkulturalität vermittelt werden.

Der Ablauf
Durch die Kooperation mit Schulen, Jugendclubs, Kultureinrichtungen, Vereinen etc. will //Klickkicker an die Kinder und Jugendlichen herantreten, um das Projekt möglichst kurz-fristig im gesamten Kiez bekannt zu machen, so dass bald allen die Möglichkeit gegeben ist, an diesem Programm teilzunehmen. Parallel dazu wird der Aufbau der Website www.klickkicker.de vorangetrieben, über die die Organisation der laufenden Aktionen mittelfristig koordiniert werden soll.
Im Mittelpunkt steht die Organisation von Fußballturnieren und Meisterschaften mit Liga-spieltagen, an denen alle mitmachen können, die sich zu einer Mannschaft formiert haben.
Denjenigen, die noch keine Mannschaft gefunden haben, wird natürlich unterstützend bei der Suche geholfen. Selbstverständlich muss bei den konkurrierenden Teams auf nicht zu gravierende Alters- und Größenunterschiede geachtet werden.
Jede Mannschaft hat ihr „Stadion“, in dem sie ihre „Heimspiele“ austrägt. Sie ist also für einen reibungslosen Spielablauf auf „ihrem“ Platz verantwortlich.
Neben den Spieltagen sollte es mindestens einen Tag in der Woche geben, an dem ein Treffpunkt für alle Beteiligten angeboten wird, um sich auszutauschen, Probleme zu disku-tieren und gemeinsam zu trainieren.

Die Website
Noch intensiver soll die Kommunikation nach Einführung der Website werden. Hier soll es den SpielerInnen ermöglicht werden, sich außerhalb der festgelegten Spieltage zu verabre-den, neue Mannschaften zu bilden oder als Neuling eine zu finden.
Die umfangreiche Datenbank gibt z.B. über die Stärken eines jeden Spielers, sein Alter und seinen Lieblingsverein Aufschluss. Jeder kann seine Wunschformation zusammenstellen und danach in Kontakt zu den jeweiligen SpielerInnen treten. Die aktuellen Ergebnisse inkl. Tabelle und ein Einblick in die „Stadionzeitung“ mit allen wichtigen Informationen sind weitere Features. über „Querpass“ gelangt man zur künstlerischen Rubrik, wo Fotos, Male-reien, Zeichnungen, Video- und Audiobeiträge oder Dokumentationen von künstlerischen Aktionen archiviert werden, oder wo zu künstlerischen Wettbewerben aufgerufen wird. Hinter „Kopfball“ befindet sich ein wöchentliches Quiz, das sich zwar auch, aber nicht nur mit Fußballfragen beschäftigt. Die Ausbaumöglichkeiten sind sehr umfangreich. Der Kreati-vität der Kinder sind (fast) keine Grenzen gesetzt.

Die Kunst
Regelmäßig sollen die Kinder auch mit künstlerischen Herangehensweisen vertraut gemacht werden. Nach ausgeschriebenen z.B. Foto-, Mal- oder Videowettbewerbe zu unterschiedli-chen Themen wird um Abstimmung auf der Website gebeten. Die beliebtesten Beiträge bekommen einen besonderen Platz auf der Website und möglicherweise weitere Preise.
In den umzäunten Plätzen, die wie Käfige anmuten, wären auch spezielle Kunstaktionen bzw. -ausstellungen denkbar.

Die Medien
Neben dem „Kicken“ befasst sich //Klickkicker - wie aus dem Namen hervorgeht - auch mit dem „Klicken“. D.h. über die leidenschaftliche Beschäftigung mit dem Fußballprojekt soll gleichzeitig Vertrauen zum Internet geschaffen werden, damit die Kinder und Jugendlichen lernen, aus der Informationsvielfalt vernünftig und kritisch auszuwählen. Vor allem die neuen Medien adäquat einsetzen und für sich nutzbar machen zu können, ist ein wesent-licher Faktor zur Verbesserung der individuellen Chancen in der zukünftigen Gesellschaft.
Nur wer mit der Website www.klickkicker.de umzugehen versteht, wird die gesamten be-reitgestellten Angebote nutzen können. Der PC-Raum der Naunynritze bietet Gelegenheit zur Vermittlung dieser Fähigkeiten. Durch die Website des Projekts soll die Motivation ge-schaffen werden, sich mit dem sinnvollen Zugriff auf das Internet zu befassen.

Das Netz
Alle Bereiche (Bolzplätze, Kinder, Mannschaften, Schulen, Jugendeinrichtungen, Vereine, Kitas, Bildung, Sport, Erziehung, Medien, Website, andere Projekte etc.) sollen dabei eine produktive Wechselbeziehung miteinander eingehen. Ein sukzessiver Ausbau dieses Netzwerks wie beispielsweise eine Ausweitung in andere Stadtteile wäre denkbar. Nur durch intensive Kooperationen und produktive Zusammenarbeit ist eine Ausschöpfung aller Ressourcen möglich – gerade in einer so vernetzten Welt.

Die Ziele
Das Spielen, das die elementare Form des Lernens und die Voraussetzung für soziales Ver-halten ist, eben weil es Spaß macht, soll den sechs- bis vierzehnjährigen Kindern helfen, ihre Ausdrucksfähigkeit zu stärken und Kontakt- und Interaktionsmöglichkeiten zu eröffnen. Mit diesen gewonnenen Fähigkeiten soll ihre soziale Entwicklung besonders in folgenden Punk-ten nachhaltig gefördert werden:

  • Steigerung der Handlungs- und Leistungsfähigkeit
  • übernahme von Verantwortung für eigene Entscheidungen
  • Förderung der Teamfähigkeit, des kooperativen Handelns und des Fairplay
  • Erfahrung sozialer Unterstützung und Anerkennung
  • Stärkung des Gruppen- und Zugehörigkeitsgefühls
  • Steigerung des Selbstwertgefühls
  • Entwicklung zu einem Bewusstsein für den eigenen Körper
  • Förderung künstlerischer Ausdrucksfähigkeit

Das Programm könnte außerdem den Charakter einer „Talentschmiede“ annehmen, bei der junge Nachwuchsspieler an Fußballvereine herangeführt werden.

Langfristig möchte //Klickkicker unter Einbeziehung der Kinder und Jugendlichen in die aktive Mitarbeit bei der Gestaltung und Entwicklung in den Bereichen Sport, Medien und Kunst eine Attraktivitätssteigerung des Mariannenplatz-Kiezes erreichen und einer Verfestigung von „Parallelwelten“ entgegenwirken.
Eine Ausweitung in zunächst angrenzende Stadtteile ist zur Attraktivitätssteigerung des //Klickkicker-Cups wünschenswert und würde den Netzwerkgedanken weiter tragen.
Gerade in diesem „Drei-Bezirks-Eck“ liegt die Idee einer Kontaktaufnahme zu Kindern und Jugendlichen in Friedrichshain und Mitte recht nahe, was den Kindern im Kiez auch die Möglichkeit böte, Kinder aus anderen Stadtteilen und deren Lebensumfeld kennen zu lernen.